Elektrosmog und Gesundheit: Was Studien über Schlaf, Herz und HRV wirklich zeigen
Elektromagnetische Felder sind heute allgegenwärtig. WLAN, Smartphones und Mobilfunknetze begleiten uns rund um die Uhr – auch nachts im Schlafzimmer. Viele Menschen berichten über schlechteren Schlaf oder geringere Regeneration. Auch zahlreiche Kunden erzählen mir bei Messterminen von Kopfschmerzen, wenn sie ihre Smartphones am Nachttisch liegen lassen und nicht auf Flugmodus stellen. Ähnliches höre ich gelegentlich von Smartwatches und Smart Ring wie den Oura Ring. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?


Damit ist gemeint: Elektromagnetische Felder können biologische Effekte auslösen, ohne dass dabei eine messbare Erwärmung des Gewebes entsteht. Genau hier beginnt die aktuelle wissenschaftliche Debatte.
Dieser Artikel zeigt dir den aktuellen Stand der Forschung – differenziert, wissenschaftlich und verständlich.
Was ist Elektrosmog überhaupt?
Unter Elektrosmog versteht man die Gesamtheit künstlich erzeugter elektromagnetischer Felder. Dazu gehören:
Hochfrequente (HF) Elektromagnetische Felder
- WLAN (typisch 2,4 GHz und 5 GHz)
- Mobilfunk (3G, 4G, 5G)
- Bluetooth und drahtlose Geräte
Niederfrequente (NF)
Elektrische Spannungsfelder und
NF Magnetische Felder
- Stromleitungen im Niederfrequenzbereich
- Trafostationen
- elektrisch betriebene Geräte
Diese Felder sind physikalisch messbar und begleiten uns im Alltag permanent. Besonders hoch ist die Exposition oft:
- beim Telefonieren mit dem Handy
- in Innenräumen mit vielen WLAN-Netzen
- in unmittelbarer Nähe von Geräten
Was sagt die Wissenschaft zu Elektrosmog und Gesundheit?
Die Studienlage ist komplex. Es sind auch viele Studien bekannt, die mit einem Publikationsbias behaftet sein können.
Keine einheitlichen Ergebnisse
Viele Studien finden:
- keine eindeutigen Effekte auf Schlafqualität
- oft keine reproduzierbaren Symptome bei sogenannten elektrosensiblen Personen
- starke Einflüsse von Erwartung (Placebo/Nocebo), wie sie in der Medizin auch nachzuweisen sind
Das bedeutet: Die Wissenschaft ist hier nicht eindeutig.
Hinweise auf biologische Effekte
Gleichzeitig gibt es Studien, die Veränderungen zeigen – vor allem im Nervensystem.
Eine Studie mit WLAN- und Mobilfunkfrequenzen (2400–2600 MHz) fand 2023 bei kurzzeitigen 5 Minuten langen Expositionen mit 9.000.000 µW/m²: 5https://www.emfdata.org/de/studien/detail%26id%3D801?utm_source
- verminderte parasympathische Aktivität (HF-HRV)
- erhöhte sympathische Aktivität (Stressreaktion)
Übersetzt: Der Körper reagiert messbar – insbesondere über das autonome Nervensystem.
Weitere Untersuchungen zeigen Hinweise auch bei Menschen und menschlichen Zellen auf. Bioinitiative Report von 2012 enthält mehr als 100 Studien an Menschen oder menschlichen Zellen: 6https://bioinitiative.org/rf-color-charts/ 2 Herausgeber 7Cindy Sage, MA, Owner
Sage Associates
Santa Barbara, CA USA
Full Member. Bioelectromagnetics Society
David O. Carpenter, MD
Director, Institute for Health and the Environment
University at Albany
Rensselaer, New York USA und 27 mitarbeitende Autoren 8Prof. Jitendra Behari, PhD
Bioelectromagnetics Laboratory
School of Environmental Sciences
Jawaharlal Nehru University
New Delhi, India
Prof. Carlo V. Bellieni, MD
Neonatal Intensive Care Unit
University of Siena
Siena, Italy
Igor Belyaev, Dr. Sc.
Cancer Research Institute
Slovak Academy of Science
Bratislava, Slovak Republic
Carl F. Blackman, PhD
Raleigh, North Carolina USA
Founder, Former President and Full Member, Bioelectromagnetics Society
*opinions expressed are not necessarily those of his employer,
the US Environmental Protection Agency
Martin Blank, PhD Associate Professor (ret.)
Dept. of Physiology. College of Physicians and Surgeons
Columbia University, New York USA
Former President and Full Member, Bioelectromagnetics Society
Michael Carlberg, MSc
Department of Oncology
Orebro University Hospital
Orebro, Sweden
Zoreh Davanipour, DVM, PhD
Friends Research Institute
Los Angeles, CA USA
David Gee, Senior Advisor
Science, Policy, Emerging Issues, Integrated Environmental Assessment
European Environmental Agency
Copenhagen, Denmark
Adamantia F. Fragopoulou, PhD
Department of Cell Biology and Biophysics
Faculty of Biology, University of Athens
Athens, Greece
Prof. Yury Grigoriev, MD
Chairman, Russian National Committee
on Non-Ionizing Radiation Protection
Moscow, Russia.
Prof. Kjell Hansson Mild, PhDUmeå University, Dept of Radiation Sciences
Umeå, Sweden
Former President and Full Member (emeritus), Bioelectromagnetics Society
Prof. Lennart Hardell, MD, PhD
Department of Oncology
Orebro University Hospital
Orebro, Sweden
Martha Herbert, PhD, MD
Pediatric Neurology
TRANSCEND Research Program
Massachusetts General Hospital
Harvard Medical School
Boston, MA USA
Prof. Paul Héroux, PhD
Department of Epidemiology, Biostatistics and Occupational Health
McGill University Faculty of Medicine, and
Department of Surgery, InVitroPlus Laboratory
Montreal, Quebec
Canada
Prof. Michael Kundi, PhD med habil
Institute of Environmental Health, Medical University of Vienna
Vienna, Austria
Full Member, Bioelectromagnetics Society
Prof. Henry Lai, PhD (emeritus)
Department of Bioengineering
University of Washington
Seattle, Washington USA
Prof. Abraham R Liboff, PhD, Professor Emeritus
Department of Physics, Oakland University
Rochester Hills, Michigan
Full Member Emeritus, Bioelectromagnetics Society
Ying Li, PhD
McGill University Health Center
Department of Surgery, InVitroPlus Laboratory
Montreal, Quebec
Canada
Prof. Lukas H. Margaritis, PhD
Department of Cell Biology and Biophysics
Faculty of Biology, University of Athens
Athens, Greece
Henrietta Nittby, MD, PhD
Department of Neurosurgery
Lund University Hospital
Lund, Sweden
Bertil R. Persson, PhD, MD h.c.
Department of Neurosurgery
Lund University Hospital
Lund, Sweden
Gerd Oberfeld, MD
Public Health Department
Regional Government Office Land Salzburg
Salzburg, Austria
Dr Iole Pinto, PhD
Director, Physical Agents Laboratory
Tuscany Health and Safety Service
Siena, Italy
Paulraj Rajamani, PhD
School of Environmental Sciences
Jawaharlal Nehru University
New Delhi, India
Prof. Leif Salford, MD, PhD
Professor and Chairman
Department of Neurosurger
Lund University Hospital
Lund, Sweden
Eugene Sobel, PhD
Friends Research Institute
Los Angeles, CA USA
Amy Thomsen, MPH, MSPAS, PA-C
Research Associate
Pinole, CA USA
- Veränderungen von Zellprozessen
- entzündliche Reaktionen
- Stressreaktionen im Körper



Warum die Herzratenvariabilität (HRV) entscheidend ist
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) beschreibt, wie stark die Zeitabstände zwischen einzelnen Herzschlägen schwanken – ein gesundes Herz schlägt nämlich nicht völlig gleichmäßig. Die Herzratenvariabilität (HRV) ist einer der sensibelsten Marker für:
- Regeneration
- Stress
- Aktivität des Nervensystems
Eine hohe HRV steht für:
- gute Erholung
- starken Parasympathikus
- gesunde Anpassungsfähigkeit
Eine niedrige HRV hingegen deutet auf:
- Stressbelastung
- reduzierte Regeneration
- mögliche langfristige gesundheitliche Risiken hin
Genau deshalb wird HRV in modernen Studien zunehmend verwendet.
Was die ATHEM-3 Studie zeigt
Ein besonders interessanter Ansatz ist die Untersuchung der HRV unter realen Alltagsbedingungen.
In der zugrunde liegenden Studie wurden unter anderem folgende Parameter betrachtet:
- nächtliche HRV-Werte
- Einfluss von Hochfrequenzfeldern (WLAN/Mobilfunk)
- Unterschiede zwischen belasteten und weniger belasteten Schlafplätzen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass:
- sich HRV-Werte messbar verändern können
- insbesondere die nächtliche Regeneration betroffen sein könnte
- das autonome Nervensystem sensibel auf elektromagnetische Felder reagiert
- Langjährige Erfahrungen von Baubiologen und Umweltmedizinern, wonach der Körper nachts „störbarer“ ist, könnten sich dadurch bestätigen
Wichtig:
Diese Ergebnisse beweisen keine eindeutige Ursache (Kausalität) im wissenschaftlichen Sinne, liefern aber Hinweise auf mögliche Zusammenhänge.


Warum gerade nachts Effekte relevant sein könnten
Die Nacht ist physiologisch besonders sensibel:
- Der Parasympathikus dominiert
- Der Körper regeneriert
- Hormone wie Melatonin werden ausgeschüttet
Wenn in dieser Phase Störungen auftreten, könnten sich kleine Effekte stärker auswirken als am Tag.
Genau hier wird HRV zu einem besonders wertvollen Messinstrument.
Was bedeutet das für den Alltag?
Auch wenn die Datenlage nicht eindeutig ist, lassen sich vorsichtige Empfehlungen ableiten:
- WLAN nachts ausschalten (wenn möglich)
- Smartphone nicht direkt am Bett platzieren
- Flugmodus während des Schlafs nutzen
- Abstand zu aktiven Geräten erhöhen
Wichtig: Diese Maßnahmen sind präventiv, nicht zwingend notwendig.
ATHEM-3 Studie 2020-2024 Herzfrequenzvariabilität während des Schlafs
Quelle: Kompetenzinitiative 9https://kompetenzinitiative.de/wp-content/uploads/2025/07/ATHEM_3_Schlussbericht-240710.pdf 10zuletzt abgerufen am 17.4.2026
HF-EMF Strahlenbelastung der zwei Vergleichsgruppen
In der Gruppe C lagen alle Werte unter 100 μW/m², während in der Gruppe V die Werte ohne Ausnahme um ein Vielfaches höher lagen; sie betrugen zwischen 500 und 8.000 μW/m².
Praxisnahe Vergleichswerte: Eine Smartwatch strahlt mit einer Dauerfunkbelastung von 18.000 μW/m². Dieser Wert nimmt mit der Entfernung zum Quadrat ab. Ein WLAN Router hinter einer Wand kann mit ca. 5.000 µW/m² in ein Bett strahlen, auch im Standby Modus.
24 Stunden-Profile der cardiovegetativen Aktivität
Die Versuchsgruppe (V-rot) war im Bett mit ⌀ ca. 60 mal mehr Funk belastet als die Kontrollgruppe (C-blau). In der Grafik unten wird das exemplarisch anhand einer lnHFhr Messkurve an den Mittelwerten der Gruppen gezeigt. Bei der Versuchsgruppe war das lnHFhr in der Nacht um 0,82 bpm² kleiner: -0.69 statt in der Kontrollgruppe bei 0,13.
Lt. Studie nahmen die SDNN und rMSSD Werte bei starker Funkbelastung am Schlafplatz um 14 ms ab. Das entspricht ca. 25-40% niedrigeren SDNN und rMSSD Werten. Eine Reduktion des lnHFhr um 0,82 bedeutet eine Abnahme der parasympathischen Aktivität um ca. 56%. Die nächtliche Regeneration kann dadurch deutlich schlechter sein.




- 1z.B. Mobiltelefone können über Lan Kabel ihre Daten für Whatsapp und co. beziehen, der normale SMS und Telefoniefunk kommt ohne der Erfordernis des Dauerfunks aus.
- 2Die Belastung mit Hintergrundstrahlung aus dem Weltall wird geschätzt mit 3-10 µW/m². Jedoch ist das eine Strahlung, die nicht gepulst ist und war schon von 300.000 Jahren vorhanden. Darauf hat sich der Mensch schon eingestellt.
- 3https://www.bafu.admin.ch/de/gesundheitliche-auswirkungen-von-hochfrequenz-strahlung
- 4zuletzt abgerufen am 19.4.2026
- 5
- 6
- 7Cindy Sage, MA, Owner
Sage Associates
Santa Barbara, CA USA
Full Member. Bioelectromagnetics Society
David O. Carpenter, MD
Director, Institute for Health and the Environment
University at Albany
Rensselaer, New York USA - 8Prof. Jitendra Behari, PhD
Bioelectromagnetics Laboratory
School of Environmental Sciences
Jawaharlal Nehru University
New Delhi, India
Prof. Carlo V. Bellieni, MD
Neonatal Intensive Care Unit
University of Siena
Siena, Italy
Igor Belyaev, Dr. Sc.
Cancer Research Institute
Slovak Academy of Science
Bratislava, Slovak Republic
Carl F. Blackman, PhD
Raleigh, North Carolina USA
Founder, Former President and Full Member, Bioelectromagnetics Society
*opinions expressed are not necessarily those of his employer,
the US Environmental Protection Agency
Martin Blank, PhD Associate Professor (ret.)
Dept. of Physiology. College of Physicians and Surgeons
Columbia University, New York USA
Former President and Full Member, Bioelectromagnetics Society
Michael Carlberg, MSc
Department of Oncology
Orebro University Hospital
Orebro, Sweden
Zoreh Davanipour, DVM, PhD
Friends Research Institute
Los Angeles, CA USA
David Gee, Senior Advisor
Science, Policy, Emerging Issues, Integrated Environmental Assessment
European Environmental Agency
Copenhagen, Denmark
Adamantia F. Fragopoulou, PhD
Department of Cell Biology and Biophysics
Faculty of Biology, University of Athens
Athens, Greece
Prof. Yury Grigoriev, MD
Chairman, Russian National Committee
on Non-Ionizing Radiation Protection
Moscow, Russia.
Prof. Kjell Hansson Mild, PhDUmeå University, Dept of Radiation Sciences
Umeå, Sweden
Former President and Full Member (emeritus), Bioelectromagnetics Society
Prof. Lennart Hardell, MD, PhD
Department of Oncology
Orebro University Hospital
Orebro, Sweden
Martha Herbert, PhD, MD
Pediatric Neurology
TRANSCEND Research Program
Massachusetts General Hospital
Harvard Medical School
Boston, MA USA
Prof. Paul Héroux, PhD
Department of Epidemiology, Biostatistics and Occupational Health
McGill University Faculty of Medicine, and
Department of Surgery, InVitroPlus Laboratory
Montreal, Quebec
Canada
Prof. Michael Kundi, PhD med habil
Institute of Environmental Health, Medical University of Vienna
Vienna, Austria
Full Member, Bioelectromagnetics Society
Prof. Henry Lai, PhD (emeritus)
Department of Bioengineering
University of Washington
Seattle, Washington USA
Prof. Abraham R Liboff, PhD, Professor Emeritus
Department of Physics, Oakland University
Rochester Hills, Michigan
Full Member Emeritus, Bioelectromagnetics Society
Ying Li, PhD
McGill University Health Center
Department of Surgery, InVitroPlus Laboratory
Montreal, Quebec
Canada
Prof. Lukas H. Margaritis, PhD
Department of Cell Biology and Biophysics
Faculty of Biology, University of Athens
Athens, Greece
Henrietta Nittby, MD, PhD
Department of Neurosurgery
Lund University Hospital
Lund, Sweden
Bertil R. Persson, PhD, MD h.c.
Department of Neurosurgery
Lund University Hospital
Lund, Sweden
Gerd Oberfeld, MD
Public Health Department
Regional Government Office Land Salzburg
Salzburg, Austria
Dr Iole Pinto, PhD
Director, Physical Agents Laboratory
Tuscany Health and Safety Service
Siena, Italy
Paulraj Rajamani, PhD
School of Environmental Sciences
Jawaharlal Nehru University
New Delhi, India
Prof. Leif Salford, MD, PhD
Professor and Chairman
Department of Neurosurger
Lund University Hospital
Lund, Sweden
Eugene Sobel, PhD
Friends Research Institute
Los Angeles, CA USA
Amy Thomsen, MPH, MSPAS, PA-C
Research Associate
Pinole, CA USA - 9
- 10zuletzt abgerufen am 17.4.2026
- 11ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ärztinnen und Ärzten, Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie engagierten Bürgern aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.
Ihr Ziel ist es, eine Plattform für wirtschaftlich unabhängige, qualitativ hochwertige Forschung und praxisorientiertes Wissen zu schaffen – insbesondere dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse bislang wenig Beachtung gefunden haben. Sie setzen sich dafür ein, dass auch ignorierte oder verdrängte Ergebnisse einer unabhängigen internationalen Forschung in die öffentliche Diskussion und politische Entscheidungsfindung einfließen. - 12Berufsverband Deutscher Baubiologen e.V.

